Erste intraoperative Bestrahlung (IORT) bei Brustkrebs im Ruhrgebiet
27.07.2010
Im Brustzentrum Marienhospital Bottrop hat am 30.04.2010 die erste
intraoperative Bestrahlungsbehandlung während einer brusterhaltenden
Operation eines Mammakarzinoms im Ruhrgebiet stattgefunden. Bisher gibt
es in ganz Deutschland etwa 20 Standorte, an denen eine intraoperative
Strahlentherapie (IORT – intraoperative Radiotherapie) durchgeführt
werden kann. Im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW gab es bis zum
vergangenen Freitag nur zwei Brustzentren, die diese hochmoderne
Therapie anbieten konnten, in Köln und in Mönchengladbach. Der Teil
Deutschlands mit der höchsten Bevölkerungs- und Klinikdichte, das
Ruhrgebiet, war in Bezug auf die IORT ein weißer Fleck auf der
Landkarte, bis zur ersten solchen Behandlung am 30.04.2010 im OP- Saal 4
des Marienhospitals Bottrop.
Einige Fakten zur intraoperativen Bestrahlung bei Brustkrebs:
Seit etwa 30 Jahren ist die brusterhaltende Therapie ein Standard in der
operativen Behandlung des Brustkrebs, etwa 75-80% der Patientinnen
können so operiert werden. Nach einer brusterhaltenden Operation muss
immer eine Bestrahlung der Brust erfolgen, um die Rückfallrate so gering
wie möglich zu halten. Auf eine griffige Formel gebracht ist bei den
meisten Frauen die brusterhaltende Operation mit nachfolgender
Bestrahlung etwa genau so sicher wie die Entfernung der Brust. Es wird
dabei die gesamte Brust bestrahlt, Ärzte sprechen dabei wenig charmant
von einer Restbrustbestrahlung. Verbessert werden die Erfolge dieser
Bestrahlung - wir wollen sie lieber Ganzbrustbestrahlung nennen – durch
eine sogenannte Boostbestrahlung, eine Methode, bei der am Ende der
Bestrahlung die Stelle, an der der Tumor gesessen hat, eine
Spezialbehandlung abbekommt. Alles in allem dauert eine solche
Bestrahlung 30 bis 33 Werktage, da jeden Tag nur eine kleine
Strahlendosis gegeben werden kann, damit es nicht zu Verbrennungen
kommt. Das ist in aller Kürze beschrieben der Standard der Bestrahlung
beim Brustkrebs, so wie er schon lange gilt.
Neu und eine entscheidende Verbesserung ist der Beginn der Bestrahlung
bereits während der Operation, die sogenannte intraoperative
Strahlentherapie. Dadurch wird der oben beschriebene Boost ersetzt, die
Zeit der nachfolgenden Bestrahlung kürzt sich auf 25 Werktage ab. Ein
weiterer Vorteil ist, dass die durch die Boostbestrahlung häufig
eintretende Verschlechterung des kosmetischen Ergebnisses bei der IORT
deutlich weniger ausgeprägt ist. Aber der entscheidende Faktor, warum
Brustkrebsspezialisten die intraoperative Bestrahlung empfehlen, ist,
dass durch die höhere Treffsicherheit der Erfolg der Sonderbestrahlung
des Tumorbettes besonders hoch ist. In Studien konnte damit die
Rückfallrate von üblicherweise 4,3 % auf etwa 1,7 % in fünf Jahren
gesenkt werden.
Während der OP ist der Strahlentherapeut mit im Operationssaal und wenn
der Gynäkologe den Tumor entfernt hat, führt er steril den Arm des
Bestrahlungsgerätes in die Brust ein, nachdem er und der Medizinphysiker
vorher genau ausgerechnet haben, wie die Bestrahlung dieser
individuellen Patientin aussehen muss. Die Bestrahlung verlängert die OP
nur um etwa 30 Minuten, danach geht der Eingriff normal weiter. Man
geht davon aus, dass die IORT bei etwa 80 % der Patientinnen, die eine
brusterhaltende Operation wegen eines Brustkrebs erhalten, durchgeführt
werden kann.
Das Brustzentrum Marienhospital Bottrop ist eines von 9 von der
Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Senologie
(Senologie – Brustheilkunde) anerkannten Brustzentren in NRW. Geleitet
wird das Brustzentrum von Dr. Hans-Christian Kolberg, dem Chefarzt der
Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, der auch bei der Premieren-OP
selbst operiert hat. Die intraoperative Bestrahlung wurde gemeinsam mit
dem Strahlentherapeuten des Brustzentrums, Dr. György Lövey,
durchgeführt. Mit Dr Lövey hatte Dr. Kolberg auch im November die
Geschäftsführerin des Marienhospitals Bottrop, Frau Dr. Ellebrecht –
selbst auch Ärztin – von der Anschaffung des neuen Bestrahlungsgerätes
überzeugt. Dr. Kolberg: „ Für uns war der Beginn der intraoperativen
Strahlentherapie eine folgerichtige Entscheidung. Wir betreiben hier im
MHB Brustkrebsbehandlung auf höchstem Niveau, da darf eine solche
Verbesserung der Therapie nicht fehlen. Besonders positiv ist, dass
unser Partner im Unibrustzentrum Essen, die Uniklinik in Essen, in Kürze
auch mit der IORT beginnen wird, so dass wir das einzige kooperative
Brustzentrum in ganz Deutschland sein werden, dass diese Therapie an
zwei Standorten anbieten kann.“
Glücklich zeigt sich auch die erste Patientin, die von der neuen Technik
im Ruhrgebiet profitiert. Bis zur Aufklärung wusste sie noch nicht
einmal, dass es so eine Therapie gibt.
Im Jahr der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 zeigen die Brustkrebsspezialisten
in Bottrop, dass das Ruhrgebiet nicht nur kulturell sondern auch als
medizinischer Hochleistungsstandort mit anderen Metropolregionen mehr
als mithalten kann.
Kontakt:
Chefarzt Dr. med. Hans-Christian Kolberg
Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe
Brustzentrum (DKG/DGS)
Marienhospital Bottrop gGmbH
Josef-Albers-Str. 70
46236 Bottrop
02041-1061601
hans-christian.kolberg@mhb-bottrop.de
LINKS:
http://www.marienhospital-bottrop.de